Eine rot-weiße Katze liegt entspannt auf einem Esstisch in einer hellen Küche. Darauf steht der Text: „Warum Du Deiner Katze nichts abgewöhnen kannst – und was wirklich hilft“.

„Wie kann ich meiner Katze das Markieren abgewöhnen?“ – Diese Frage höre ich in meiner Arbeit als Katzenverhaltensberaterin immer wieder. Der Wunsch, sogenanntes unerwünschtes Verhalten einfach abzustellen, ist absolut verständlich. Ich kenne ihn selbst nur zu gut: Als meine Clärchen in einer bestimmten Phase sehr aggressiv gegenüber Helli wurde, hätte ich am liebsten einen Schalter umgelegt. Ich wollte einfach nur, dass dieses Verhalten aufhört – für Helli, für Clärchen, aber auch für mich.

Doch genau hier liegt oft das erste Missverständnis:
Wenn wir Katzenverhalten als „Problem“ sehen, geraten wir schnell in einen Denkrahmen, der auf Kontrolle statt Verständnis setzt. Wir suchen nach Methoden, um etwas abzustellen – statt nach Wegen, die wirkliche Ursache zu erkennen.

Und genau das verändert alles.

In diesem Artikel zeige ich Dir, warum der Wunsch, Verhalten einfach „abzugewöhnen“, selten zum Ziel führt – und was stattdessen helfen kann.

Verhalten ist kein Fehlverhalten

Wenn Katzen sich „anders“ verhalten, sind wir oft schnell verunsichert – oder genervt. Warum kratzt sie am Sofa? Warum macht sie plötzlich auf den Teppich? Warum schreit sie nachts stundenlang?

Es liegt nahe, dieses Verhalten als „Problem“ zu sehen. Als etwas, das nicht sein sollte. Doch Katzen agieren nie aus Protest, Trotz oder Bosheit. Sie handeln, weil sie etwas mitteilen möchten – auf ihre eigene, kätzische Art.

Was für uns störend ist, erfüllt für sie oft eine wichtige Funktion: Sicherheit geben, Revier markieren, Stress abbauen, Nähe suchen.

Deshalb geht es nicht darum, ein Verhalten abzustellen. Sondern darum zu verstehen, was wirklich dahintersteckt. Denn wenn wir bereit sind, genau hinzusehen, kann sich etwas verändern – für unsere Samtpfote und für uns.

Typische Probleme – und was dahintersteckt

(Urin-)Markieren in der Wohnung

Markieren ist ein ganz normales kätzisches Kommunikationsverhalten. Katzen hinterlassen Duftspuren, indem sie sich an uns reiben, an Gegenständen kratzen oder auch mit Urin markieren. Während wir das Um-die-Beine-Streichen meist als charmant empfinden, belastet das Markieren mit Urin oft die Beziehung – und auch uns selbst.

In jedem Fall gilt: Zuerst sollten mögliche medizinische Ursachen abgeklärt werden. Das ist bei jedem auffälligen Verhalten wichtig, denn Schmerzen oder Erkrankungen können eine große Rolle spielen!

Erst kürzlich bekam ich wieder eine Nachricht: „Wie kann ich meiner Katze abgewöhnen, dass sie im ganzen Haus markiert?“
So verständlich dieser Wunsch ist – die Ursachen können unglaublich vielfältig sein: Unpassendes Toilettenmanagement, Revierunsicherheit, Stress ungelöste Konflikte im Mehrkatzenhaushalt oder eben eine medizinische Ursache sind nur einige Beispiele.

Die Lösung liegt nie in einem schnellen „Abgewöhnen“. Sondern in einer sorgfältigen Analyse: medizinisch, emotional, häuslich. Was braucht die Katze, um sich sicher und verstanden zu fühlen?

Beine und Füße attackieren

Manche Katzen „überfallen“ uns regelrecht, wenn wir nichtsahnend durch die Wohnung laufen – sie lauern hinter Türen oder Möbeln, springen an unsere Waden oder attackieren Füße. Für uns ist das oft schmerzhaft oder nervig, für die Katze dagegen ist es meist ein Ausdruck ungestillten Jagdverhaltens.

Wenn Katzen keine Gelegenheit haben, ihre Jagdinstinkte auf sinnvolle Weise auszuleben, suchen sie sich eigene Reize. Bewegende Beine können da sehr verlockend sein – besonders in Haushalten mit wenig strukturierter Beschäftigung.

Was hilft, ist gezielte Unterstützung: ein ritualisiertes Spielangebot, das dem natürlichen Jagdverhalten der Katze entspricht – mit Lauern, Heranpirschen, Anspringen, Beute machen. Das klingt einfach, will aber gelernt sein: Die Auswahl des passenden Spielzeugs, das richtige Timing, ein klarer Ablauf – all das macht den Unterschied.

Wenn wir hier ansetzen, erleben viele Katzenmenschen, dass die Angriffe auf Beine und Füße deutlich nachlassen – oft schon nach kurzer Zeit.

Nächtliches Miauen

Wenn Katzen nachts laut miauen, ist das für viele Menschen eine echte Belastung – vor allem, wenn es regelmäßig passiert und den Schlaf raubt. Doch nächtliches Rufen hat immer einen Grund: Hunger, Langeweile, fehlende Auslastung am Tag, Einsamkeit oder auch zu wenig Nähe und Sozialkontakt können Auslöser sein.

Gerade dann, wenn die Katze nachts nicht ins Schlafzimmer darf und tagsüber wenig Ansprache bekommt, kann sich das Bedürfnis nach Verbindung verstärken – und nachts seinen Ausdruck finden.

Besonders bei älteren Katzen lohnt sich der aufmerksame Blick: Nächtliches Umherlaufen, Orientierungslosigkeit oder anhaltendes Miauen können erste Anzeichen einer beginnenden Demenz sein. Wirkt die Katze verwirrt? Findet sie ihren Platz nicht mehr? Zeigt sie weitere Verhaltensänderungen? Dann sollte auch an kognitive Veränderungen gedacht und frühzeitig tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Hilfreich sind ein strukturierter Tagesablauf, regelmäßige körperliche und geistige Auslastung, schöne Katze-Mensch-Rituale verbunden mit Kuschelzeiten, sofern die Katze diese denn wünscht. Viele Katzen genießen es auch, einfach im selben Raum mit ihrem Menschen zu sein.

An Möbeln kratzen

Wenn Katzen an Möbeln kratzen, sorgt das oft für Frust – gerade, wenn das neue Sofa betroffen ist. Doch Kratzen ist kein Fehlverhalten, sondern ein völlig normales und wichtiges kätzisches Bedürfnis. Es dient nicht nur der Krallenpflege und der Reviermarkierung, sondern auch dem Dehnen von Muskeln, Sehnen und Bändern – und dem Abbau von Erregung, egal, ob positiv oder negativ.

Problematisch wird es dann, wenn aus Katzensicht nicht genügend geeignete Kratzmöglichkeiten vorhanden sind – oder diese für unsere Samtpfote nicht attraktiv genug sind. Ein einzelner, wackeliger Kratzbaum in der hintersten Zimmerecke reicht sicher nicht aus, vor allem nicht in einem Haushalt mit mehreren Katzen.

Hilfreich ist eine abwechslungsreiche Auswahl an Kratzflächen: senkrecht, waagerecht, schräg, in unterschiedlichen Materialien wie Sisal, Teppich, Kokos, Wellpappe – je nachdem, was die eigene Katze bevorzugt. Auch der Ort spielt eine große Rolle:

Kratzmöglichkeiten sollten dort stehen, wo die Katze sich gern aufhält bzw. an strategisch wichtigen Stellen – z. B. am Sofa, neben dem Lieblingsplatz, an Übergängen zwischen Räumen oder auch im Bereich der Haus- oder Terrassentür.

Wenn eine Katze an einem Möbelstück kratzt, will sie meist nichts „kaputt machen“. Sie wählt einfach einen Ort, der sich für sie in diesem Moment richtig anfühlt.

Auf den Tisch springen

Viele Katzenmenschen kennen es: Kaum ist der Tisch gedeckt, sitzt die Katze auch schon mitten auf dem Esstisch – neugierig schnuppernd oder mit Blick auf das Brot oder den Käse.

Das sorgt oft für unseren Unwillen – verständlich, aber aus Katzensicht ist dieses Verhalten völlig nachvollziehbar.

Katzen lieben erhöhte Plätze, sie sind neugierig, wollen einen Überblick über ihr Revier haben und am sozialen Geschehen teilhaben. Der Esstisch ist dabei besonders spannend: Hier duftet es nach Essen, hier sitzen die Menschen, hier passiert etwas. Für die Katze ist es daher kein Fehlverhalten, sondern eine logische Wahl.

Statt pauschal „Nein“ zu sagen oder zu schimpfen, lohnt es sich, nach katzengerechten Alternativen zu suchen:

Attraktive Liegeplätze in der Nähe des Tisches, von denen aus die Katze alles im Blick hat.

Klare Regeln, die konsequent eingehalten werden – nicht mal so, mal so. Vielleicht bekommt die Katze etwas Leckeres auf Ihrem Futterplatz, bevor der Besuch kommt oder ein Fummelbrett, mit dem sie beschäftigt ist, während wir essen? Eine Spiel- oder Clickerrunde vorab sorgt dafür, dass die Katze vielleicht gern ein Päuschen macht, während wir mit unserem Besuch am Tisch sitzen.

Alternativen zum Erkunden und Springen, z. B. erhöhte Fensterplätze oder Kletterlandschaften

Katze sitzt auf erhöhtem Platz und schaut in den Raum

Warum Strafe keine Lösung ist

„Wenn meine Katze etwas macht, was sie nicht soll – darf ich sie dann bestrafen?“ Diese Frage wird mir oft gestellt. Und meine Antwort ist immer dieselbe: Nein, Strafe löst keine Probleme – sie schafft neue!

Katzen können Strafe nicht im menschlichen Sinne „verstehen“. Sie begreifen weder, dass sie etwas „falsch“ gemacht haben, noch können sie ihr Verhalten mit der späteren Reaktion ihres Menschen verknüpfen.

Statt zu lernen, „was sie nicht tun sollen“, lernen sie oft nur: Mein Mensch ist unberechenbar. Und das belastet die Beziehung – das Gegenteil von dem, was wir eigentlich erreichen wollen.

Besonders bedenklich sind körperliche Strafen oder Schreckreize wie Wasser, lautes Klatschen oder Anschreien. Sie erzeugen Angst und Unsicherheit – und führen häufig dazu, dass die Katze das Verhalten nicht etwa aufgibt, sondern es heimlich oder an anderer Stelle fortsetzt.

Das eigentliche Problem bleibt bestehen, das Vertrauensverhältnis ist gestört.

Statt Strafe braucht es:

  • Verständnis für kätzische Bedürfnisse
  • eine Umgebung, die der Katze Sicherheit gibt
  • klare, liebevolle Kommunikation
  • Alternativen, die sich für die Katze lohnen

Verhaltensveränderung gelingt nicht über Kontrolle und Druck, sondern über Wissen um die kätzischen Bedürfnisse, gezielte Alternativ-Angebote und ganz viel Verständnis, Vertrauen und eine liebevolle Beziehung auf Augenhöhe.

 

Was Du stattdessen tun kannst

Statt auf Strafe oder Erziehungsversuche zu setzen, lohnt es sich, das Verhalten Deiner Katze als das zu sehen, was es ist: eine Form der Kommunikation. Wenn Du lernst, genau hinzuschauen, wirst Du erkennen, dass hinter jedem Verhalten ein Bedürfnis, eine Emotion oder eine Erfahrung steht.

Das kannst Du konkret tun:

1. Medizinische Untersuchungen vornehmen lassen
Bevor Du Dich mit möglichen Ursachen im Verhalten beschäftigst, sollte immer eine (gründliche!) tierärztliche Untersuchung vorgenommen werden. Viele Verhaltensauffälligkeiten sind schmerz- oder krankheitsbedingt – besonders bei plötzlichen Veränderungen!

2. Verhalten beobachten und verstehen
Wann tritt das Verhalten auf? In welchen Situationen? Gibt es bestimmte Auslöser oder Muster? Manchmal hilft ein Tagebuch, um mehr Klarheit zu gewinnen.

3. Ursachenorientiert handeln
Wenn Du verstehst, warum Deine Katze sich auf eine bestimmte Weise verhält, kannst Du gezielt Alternativen anbieten. Das kann mehr Sicherheit sein, eine andere Rückzugsmöglichkeit, strukturierteres Spiel oder mehr Aufmerksamkeit.

4. Alltag katzengerecht gestalten
Eine Umgebung, die an den natürlichen Bedürfnissen von Katzen ausgerichtet ist, beugt vielen Problemen vor. Dazu gehören unter anderem viele Plätze zum Beobachten und Schlafen, ein gutes Toilettenmanagement, Kletter- und Beschäftigungsmöglichkeiten, eine katzengerechte Fütterung, Interaktion mit uns Menschen, liebevolle Rituale – und ein verlässlicher Tagesrhythmus.

Mein Tipp für Dich:

In meinem Shop findest Du 3 wunderschön gestaltete Kartensets aus der Reihe „Katzenwissen im Handumdrehen“ zu verschiedenen Katzenthemen – alltagstauglich und sofort umsetzbar.

Schau gern einmal vorbei:

5. Geduld, Vertrauen und Zeit schenken
Verhaltensveränderungen passieren nicht von heute auf morgen. Aber mit dem entsprechenden Wissen, Geduld und Verständnis für die kätzischen Bedürfnisse kannst Du es schaffen, Deine Samtpfote wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen.

Und genau hier liegt der Schlüssel:
Wenn Du beginnst, das Verhalten Deiner Katze nicht als Problem, sondern als Mittel der kätzischen Kommunikation zu verstehen, verändert sich alles. Nicht über Nacht – aber nachhaltig. Du stärkst nicht nur das Vertrauen zwischen Euch, sondern auch die Verbindung. Und genau das ist es doch, was wir uns alle wünschen: ein Zusammenleben, das auf Verständnis, Nähe und gegenseitigem Respekt beruht.

Ich wünsche Dir Mut, Geduld und liebevolle Neugier – und viele dieser ganz besonderen Momente, in denen Deine Katze Dir zeigt, dass Du auf dem richtigen Weg bist.

Über Katzenlächeln

Ich bin Christiane – Verhaltensberaterin für Katzen und Gründerin von Katzenlächeln.
Ich unterstütze Dich dabei, Deine Katze besser zu verstehen – bei Alltagsfragen, auffälligem Verhalten oder in herausfordernden Lebensphasen.
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der achtsamen Begleitung von Katzensenioren – mit ihren feinen Bedürfnissen, ihren Veränderungen und dem oft unausgesprochenen Thema Abschied.
In meiner Katzenlächeln-Welt dürfen all diese Fragen Raum haben – für ein liebevolles Miteinander ein ganzes Katzenleben lang.

Hast Du Lust auf noch mehr „Kätzisches“?

Dann abonniere doch meinen Newsletter. Du erhältst ca. monatlich wertvolle Infos und Anregungen rund um das Thema Katze und gehörst zu den Ersten, die von meinen neuen Angeboten und Projekten erfahren.

Hinweise zum Newsletter

Die Eingabe Deines Vornamens ist freiwillig und dient nur der persönlichen Anrede in den E-Mails. 
Ich sende Dir ungefähr monatlich E-Mails mit Anregungen, Angeboten und wertvollen Inhalten für Deine Katze.
Deine Anmeldedaten, deren Protokollierung, der Mailversand, sowie statistische Auswertungen des Leseverhaltens, werden über ActiveCampaign (USA) verarbeitet. Nach der Rechtsprechung des EuGH besteht in den USA kein angemessenes Datenschutzniveau. Ferner kann es in den USA zu staatlichen Überwachungsmaßnahmen  kommen, bei denen kein hinreichender Rechtsschutz gegen diese Maßnahmen in Anspruch genommen werden kann. Die Datenverarbeitung in den USA im Zusammenhang mit meinem Newsletter basiert insoweit auf deiner Einwilligung i.S.d. Art. 49 Abs. 1 lit. a) DSGVO. Mehr Informationen erhältst Du auch in meiner 
Datenschutzerklärung.
Du kannst Deine Einwilligung zum Empfang jederzeit widerrufen. Dazu befindet sich am Ende jeder E-Mail ein Abmeldelink.