Wann ist der richtige Zeitpunkt, eine neue Katze aufzunehmen?

10 Fragen, die Du Dir stellen kannst, um zu einer Entscheidung zu kommen

Der Verlust einer geliebten Samtpfote ist ein tiefer Einschnitt im Leben. Wir haben unser Clärchen im November 2023 und unsere Helli im Juni 2024 gehen lassen müssen. Ich bin ganz ehrlich: die Trauer und der Schmerz waren so groß, dass ich mir ganz lange nicht vorstellen konnte, jemals wieder eine Katze in mein Leben und in mein Herz zu lassen.

Viele Katzenhalter stehen früher oder später vor der Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt, eine neue Katze aufzunehmen? Gibt es diesen „richtigen“ Zeitpunkt überhaupt? Die Antwort darauf ist so individuell wie die Trauer selbst. Ich möchte Dir heute Impulse geben, die Dir helfen können, eine Entscheidung zu treffen, die sich für Dich richtig anfühlt. Dazu nehme ich Dich mit in meine ganz eigenen Erfahrungen zu dem Thema.

Das war unser Weg

Trauer ist kein linearer Prozess, sondern verläuft in Wellen, das erleben wir auch heute noch so. Jeder Mensch trauert anders, und es gibt keine festgelegte Zeitspanne, nach der der Verlust „verarbeitet“ ist.

Manche Menschen möchten schnell wieder eine Katze aufnehmen, um die entstandene Lücke zu füllen. Das kann helfen, muss aber nicht für jeden der richtige Weg sein. Als unsere erste Katze Alissa ihren Rucksack gepackt hatte, zogen bereits 3 Monate später Helli und Clärchen bei uns sein. Wir konnten uns ein Leben ohne Samtpfoten einfach nicht vorstellen!

Ganz anders war das nach dem Tod von Helli und Clärchen. Die Monate und Jahre als Katzen-Seniorinnen haben uns sehr gefordert. Wir haben getan, was wir konnten, um ihnen bis zum Ende ein schönes Katzenleben zu ermöglichen. Wir haben das mit ganz viel Herzblut getan, auf vieles gern verzichtet.

Im Juni letzten Jahres ist 8 Monate nach Clärchen auch unsere Helli gegangen. Ich schreibe diesen Blogartikel im Februar 2025 und erst jetzt sind wir wieder für eine neue Samtpfote offen. Wir brauchten die Zeit, um uns emotional zu erholen. Wir sind gereist, haben Freunde getroffen und waren viel mehr „aushäusig“ als die ganzen Jahre zuvor.

Wir sahen uns sehr, sehr lange auch nicht in der Lage, wieder Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen. Immer und immer wieder haben wir uns die Frage gestellt, ob das, was wir getan haben, richtig war. Ob unsere Mädchen wirklich noch Lebensqualität hatten. Oder ob die (frühere) Euthanasie vielleicht die bessere Lösung gewesen wäre.

Solche Fragen sind unglaublich kräftezehrend. Mir persönlich fiel es sehr schwer, immer wieder neu zu schauen und zu entscheiden, was für ein anderes Lebewesen richtig ist. Das ist natürlich unsere Verantwortung, aber das heißt nicht, dass es einfach war. Nicht immer hat man ein Umfeld, das Verständnis zeigt – das macht alles nicht leichter. Aussagen wie: „Meinst Du nicht, Du solltest sie lieber erlösen?“ oder „Findest Du nicht, dass Deine Katze leidet?“ waren alles andere als hilfreich, schließlich habe ich sie mir selbst nahezu täglich gestellt!

Nachdem unsere Mädchen im Regenbogenland waren, waren anfangs besonders Trauer und Schmerz unsere täglichen Begleiter. Und die Vorstellung, dass wieder eine Katze einzieht, war undenkbar für uns.

Die Zeit verging und wir machten die Erfahrung, dass tiefe Trauer einer liebevollen Erinnerung Platz machen kann. Als nach einigen Wochen und Monaten der neue Alltag Einzug gehalten hatte, haben mein Mann und ich Dinge getan, die viele Jahre hinten angestanden haben, weil wir uns ganz intensiv um unsere Samtpfoten kümmern wollten. Wir sind übers Wochenende weggefahren. Ich habe mich mal wieder verabredet. Wir haben sogar einen 12-tägigen Urlaub gemacht. Wir konnten wieder mal durchatmen – abgesehen davon waren unsere Mädels natürlich in Gedanken überall dabei…

Wann ist man denn nun aber bereit für eine neue Katze? Oder ist man es vielleicht nie wieder? Die Antworten kann nur jeder für sich finden. Ich möchte Dir hier jedoch ein paar Fragen mitgeben, die Dir unter Umständen eine Hilfe sein können, wenn Du genau in diesem Prozess gerade feststeckst.

10 wichtige Fragen, die Du Dir stellen kannst:

1. Dreht sich in Deinem Kopf noch alles um das Abschiednehmen und die letzten Tage und Stunden Deiner verstorbenen Katze?

2. Fühlt sich der Alltag leer und trostlos an, oder genießt Du auch wieder Momente, in denen Du Freunde treffen, Sport machen oder anderen Hobbys nachgehen kannst?

3. Kannst Du Dich mit anderen über Deine verstorbene Katze unterhalten, ohne sofort von Traurigkeit überwältigt zu werden?

4. Was empfindest Du, wenn Du andere Katzen z. B. bei Freunden triffst: bist Du sehr traurig und kannst es kaum ertragen oder freut Dich die kätzische Gesellschaft?

5. Was sagt Deine Familie zu einer neuen Samtpfote? Hier ist es natürlich immer wichtig, die Beweggründe hinter einem möglichen Wunsch zu hinterfragen. Möchte ein Familienmitglied, dass Du nicht mehr traurig bist? Möchte ein Kind einfach sooooo gern ein kleines Kätzchen haben? Das sind sicherlich nicht die besten Gründe, denn Du darfst traurig sein und nahezu jedes Kind mag kleine Kätzchen 😉…

6. Bist Du wieder bereit, Verantwortung für eine neue Katze zu übernehmen? Ich habe es ja bereits geschrieben, das war bei mir ein ganz wichtiger Punkt, den ich eine ganze Zeit lang mit einem klaren „Nein“ beantwortet habe. Ich nehme Verantwortung immer sehr ernst und das gilt natürlich insbesondere, wenn es um ein wunderbares Lebewesen geht.

7. Was macht der Gedanke mit Dir, wieder jeden Tag Katzentoiletten zu säubern, Deine Katze mehrmals täglich zu füttern und zu bespaßen, nicht mehr stundenlang ohne schlechtes Gewissen weg bleiben zu können, nicht mehr spontan wegfahren zu können, ohne die Versorgung Deiner Samtpfote zu organisieren?

8. Daran anknüpfend: Wie wichtig ist es Dir, Deine Zeit außerhalb Deiner 4 Wände zu verbringen? Vielleicht hast Du Dich wie ich lange zurückgezogen, um ganz für Deine Samtpfote da zu sein. Danach darf es auch wieder Raum für Verabredungen, Urlaube und andere Hobbys geben. ABER: Eine Samtpfote wartet auf Dich und da würden Freizeitaktivitäten wieder mehr in den Hintergrund rücken müssen – das ist jedenfalls meine Meinung.

9. Bist Du in der Lage, eine neue Katze aufzunehmen, ohne Dir zu wünschen, dass sie doch bitte so sein soll wie Deine verstorbene Samtpfote? Es ist natürlich, dass wir so gern das wiederhaben möchten, was wir verloren haben, aber das wird nicht funktionieren. Jedes Lebewesen ist ein Individuum und hat seinen ganz eigenen Charakter. Mit einem Vergleich helfen wir weder uns noch einem Neuzugang.

10. Wie steht es um Deine finanziellen Ressourcen? Die Tierarztkosten sind in den letzten Jahren gestiegen und es gibt viel mehr medizinische Möglichkeiten als früher. Das ist zwar schön, kostet aber auch Geld. Natürlich gibt es mittlerweile verschiedenste Tierkrankenversicherungen – aber auch diese wollen jeden Monat bezahlt werden. Hochwertiges Futter und Katzenzubehör haben auch ihren Preis.

 

Diese Fragen können Dir dabei helfen, Dich selbst zu reflektieren und herauszufinden, ob der Schmerz noch zu groß ist, ob sich langsam wieder Offenheit für eine neue Katze entwickelt oder ob Du jetzt bereit bist, Dein Leben mit einer neuen wundervollen Samtpfote zu teilen.

 Wenn eine Katze im Mehrkatzenhaushalt verstirbt

In einem solchen Fall trauern häufig nicht nur wir Menschen, sondern auch die Partnerkatze, zumindest, wenn die Beziehung eng war. Das heißt für uns, dass wir uns in unserer Trauer auch um unsere Samtpfote kümmern müssen, die erst lernen muss, ohne ihren Gefährten zu leben.

Es ist in den seltensten Fällen eine gute Idee, nach ein paar Tagen mit einer neuen Katze nach Hause zu kommen, frei nach dem Motto: „Schau‘ mal, was ich Dir mitgebracht habe, jetzt bist Du nicht mehr so allein“. Mal ehrlich, wir ersetzen ja auch nicht einfach einen Menschen durch einen anderen, stimmt’s?

 

Manche Katze hingegen blüht regelrecht auf, wenn sie allein mit ihrem Menschen leben darf. In der Regel lässt das darauf schließen, dass die Katzen nicht unbedingt beste Freunde waren. Hier finde ich es besonders wichtig, die Entscheidung für eine neue Katze gut zu überdenken.

Und ja, womöglich stehen unsere Interessen dann den Interessen der Katze entgegen. Für uns war immer klar, dass sowohl Helli als auch Clärchen nach dem Tod der jeweils anderen bei uns alleine leben durften, da gab es keine zwei Meinungen, egal, wie sehr wir uns evtl. kätzischen Zuwachs gewünscht hätten.

Die Mädels hatten keine liebevolle Beziehung miteinander und wir haben Zeit ihres Lebens immer an einem guten Miteinander gearbeitet. Letztlich lief es auf eine friedliche Co-Existenz hinaus und das war für alle Beteiligten o. k. Aber eine weitere Katze war nicht denkbar und wäre auch keinesfalls im Sinne der Mädchen gewesen.

Überlege daher sehr genau, ob es wirklich Deine Katze ist, die einen neuen Partner möchte oder ob DU es bist. Denn wenn Deine Samtpfote nicht bereit ist, eine neue Katze zu akzeptieren, hast Du sonst evtl. neben der Trauer noch ein weiteres großes Problem – unglückliche und/oder streitende Katzen!

FAZIT:

Es gibt keinen festen Zeitpunkt, an dem man bereit für eine neue Katze ist. Der richtige Moment ist dann, wenn man es selbst fühlt, wenn das Herz dafür offen ist. Man sollte sich nicht von außen unter Druck setzen lassen, nach dem Motto: „Du hast doch lange genug getrauert, hol Dir doch wieder ein armes Kätzchen aus dem Tierheim!“ Oder: „Jetzt genieße doch endlich Dein Leben und mach das, woran Du Spaß hast – eine Katze schränkt Dich doch nur ein!“.

Folge Deinem Herzen und sei ehrlich zu Dir  – dann wirst Du wissen, ob und wann der richtige Zeitpunkt da ist, eine neue Samtpfote bei Dir aufzunehmen. Und Deine Katze auf der anderen Seite des Regenbogens wird für immer Teil Deiner Erinnerung sein 🌈.

Ich hoffe, meine Anregungen helfen Dir weiter, genau zu dieser Herzensentscheidung zu kommen 💖.

 

Über Katzenlächeln

Als Verhaltensberaterin für Katzen helfe ich Dir, Problemverhalten Deiner Samtpfoten zu verstehen und aufzulösen. Gemeinsam machen wir uns auf die spannende Reise, unsere Katzen wirklich zu verstehen und ihnen dann ein glückliches und erfülltes Katzenleben zu ermöglichen. Ein verständnisvolles Miteinander und das Wissen um die Bedürfnisse unserer zauberhaften Samtpfoten ist für mich die Voraussetzung für einen entspannten gemeinsamen Alltag. Du brauchst Hilfe? Dann schau‘ Dir hier meine Angebote an.

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