7 häufige Missverständnisse in der Katze-Mensch-Beziehung

Katzen und Menschen sprechen von Natur aus unterschiedliche Sprachen. Und selbst wenn man dieselbe Sprache spricht, das kennen wir Menschen zur Genüge, kann es zu Missverständnissen kommen. Worte kommen bei unserem Gegenüber manchmal ganz anders an, als wir sie gemeint haben.

Wenn wir unsere Katzen besser verstehen wollen, hilft es, wenn wir uns mit ihrem Verhalten und ihrer Sprache beschäftigen.

In diesem Blogbeitrag möchte ich 7 Aussagen aufgreifen und Dir zeigen, was aus Sicht der Katze dahintersteckt.

Ich habe keine Zeit für einen Hund, deshalb möchte ich eine Katze –
sie schläft sowieso die meiste Zeit

Damit tun wir Katzen wirklich Unrecht! Katzen verbringen zwar einen großen Teil des Tages mit Fellpflege, beobachten, ruhen und auch schlafen. ABER: natürlich hat ein Tag 24 Stunden und selbst wenn eine Katze die Hälfte davon verschläft, bleiben noch viele Stunden über, in denen es dann darum geht, die Samtpfote katzengerecht zu umsorgen. Dazu gehört eine hochwertige, mehrmalige Fütterung, das Bereitstellen sauberer Katzentoiletten, die die Katze gern aufsucht, dazu gehören Kuschelrunden und – GANZ WICHTIG – Spielzeiten die so gestaltet werden, dass die Samtpfote ihre Bedürfnisse nach Lauern, beobachten, anschleichen, jagen usw. voll befriedigen kann. Es reicht also nicht, lustlos einen Ball durch die Wohnung zu werfen oder eine Angel nebenbei hinter sich herzuziehen. Wir sollten mit vollem Herzen dabei sein und uns auch mit den Spielgepflogenheiten unserer Samtpfoten beschäftigen.

Besonders toll ist es, wenn wir Menschen auch daran denken, das Katzenköpfchen zu fordern, z. B. durch das Clickertraining.

FAZIT: Katzen haben längere Ruhezeiten und ein recht hohes Schlafbedürfnis – aber in den „wachen Zeiten“ ist es unsere Verantwortung, unsere Samtpfote mit Spiel und Spaß körperlich und geistig auszulasten.

Meine Katze ist undankbar –
ich streichle sie und zum Dank kratzt oder beißt sie mich!

Kennst Du das auch? Deine Katze liegt entspannt auf Deinem Schoß und wird von Dir gekrault. Vielleicht schnurrt sie auch. Und plötzlich hast Du ihre Kralle im Arm! „Undankbare Katze“, denkst Du jetzt vielleicht.

Was ist passiert? Deine Katze hat das Streicheln eine ganze Zeit lang genossen. Doch dann hat es ihr gereicht – und ihr Mensch hat es nicht gemerkt.

Die Anzeichen sind oft nur erkennbar, wenn wir unsere Samtpfote beobachten. Vielleicht ändern sich die Pupillen, vielleicht dreht sich ein Öhrchen, vielleicht zieht die Katze den Kopf ein Stück zurück, vielleicht zuckt die Schwanzspitze. Das alles erkennen wir nur, wenn wir mit ganzer Aufmerksamkeit bei unserer Katze sind, was beim Streicheln natürlich nicht immer der Fall ist. Manch‘ eine Katze geht einfach, wenn es ihr zuviel wird, eine andere macht durch Kratzen oder auch Beißen klar, dass sie jetzt ihre Ruhe haben möchte. Wenn Du eine Katze hast, die eben nicht einfach weggeht, sondern ihren Unmut anders äußert, bleibe beim Streicheln ganz bei Deiner Katze und schaue genau hin. Die meisten Katzen zeigen an, wenn es ihnen unbehaglich wird. Sei also wachsam und höre rechtzeitig mit dem Streicheln auf. Dann „muss“ Deine Katze nicht anders zeigen, dass die Krauleinheit aus ihrer Sicht zu Ende ist.

FAZIT: Unsere Katzen sind nicht undankbar. Wenn wir die kleinen körpersprachlichen Bewegungen nicht wahrnehmen, mit denen sie uns sagen „Mensch, mir reicht es“, greift sie zu anderen, ganz normalen kätzischen Maßnahmen, um darauf aufmerksam zu machen. Dahinter steckt weder Undankbarkeit noch Hinterlist.

Meine Katze präsentiert mir den Bauch – 
aber wehe, ich streichle sie!

Es ist doch zu süß, wenn eine Katze sich vor unseren Füßen hin -und her rollt und uns ihren flauschigen Bauch präsentiert – zum Anfassen! Wirklich? Nun, hier rate ich zur Vorsicht. Der Bauch unserer Samtpfoten ist ein sehr empfindlicher und verletzlicher Körperteil. Sprich, ein Feind könnte eine Katze dort schwer verletzten.

Wenn eine Katze also auf der Seite oder auf dem Rücken liegt, hat sie alle vier Pfoten frei, um sich ggf. zu wehren. Und Katzenkrallen sind eine scharfe Waffe, das wissen wir alle.

So manche Katze mag es überhaupt nicht, wenn wir versuchen, sie am Bauch anzufassen und sie zeigt das unter Umständen sehr deutlich.

Meine beiden Katzenmädels lieben es tatsächlich und können nicht genug davon kriegen, dass ich sie wirklich überall kraule – auch am Bauch. Das ist ein sehr großer Vertrauensbeweis, aber eben nicht die Regel, jede Samtpfote ist anders. Ich selbst hüte mich davor, unbekannte Katzen am Bauch anzufassen – die Gefahr einer Verletzung ist viel zu hoch. Und außerdem möchte ich auch nichts tun, was einer Katze missfällt.

FAZIT: Du kennst Deine Katze am besten und weißt, was sie mag und was nicht.
Bei fremden Katzen ist mein Ratschlag: Anschauen erlaubt, Anfassen lieber nicht!

Katzen sind Einzelgänger und leben am liebsten allein

Katzen sind nicht wie häufig beschrieben reine „Einzelgänger“, sondern vielmehr „Einzeljäger“, sprich, sie gehen nicht gemeinsam auf die Jagd, sondern allein. Das heißt aber nicht, dass Katzen die Anwesenheit eines passenden Partners nicht sehr zu schätzen wüssten. Mit ihm können sie spielen, kuscheln und sich auf kätzische Weise austauschen. Einen solchen Katzenpartner können wir Menschen nicht ersetzen.

Auch in der Natur findet man Katzen, die zumindest für eine Zeit zusammen durchs Leben gehen. Es gibt „Bruderschaften“ zwischen Katern, es gibt Kätzinnen, die ihre Jungen zusammen aufziehen. Es gibt auch unter Katzen die „geselligen“ Typen.

Wir sollten allerdings genau hinschauen, dass unsere Katzen charakterlich und von ihren Bedürfnissen gut zueinander passen. Ein 16 Monate altes Katerchen und eine 14-jährige Katzendame sind sicherlich nicht die beste Konstellation. Ganz einfach, weil die Ansprüche an Ruhe, Action usw. viel zu unterschiedlich sind.

Ein kleines Kätzchen allein ohne Katzenkumpel großwerden zu lassen, finde ich hingegen eher traurig. Es ist wirklich für uns bezaubernd und für unsere Katzen so bereichernd, wenn sie miteinander spielen, toben und kuscheln können.

Allerdings gibt es auch Katzen, die ohne kätzische Gesellschaft leben möchten. Hier sind wir Menschen gefragt, genau hinzuschauen und natürlich auch für katzengerechte Beschäftigung und Auslastung zu sorgen.

FAZIT: Katzen sind nicht grundsätzlich Einzelgänger. Eine passende Partnerkatze kann das Leben gerade von Wohnungskatzen so sehr bereichern. Und keine Angst, wir Menschen spielen trotzdem noch eine ganz wichtige Rolle im Leben unserer Samtpfoten!

Meine Katze springt immer auf den Tisch – will sie mich damit ärgern?

Die Antwort vorweg: Nein, das möchte sie nicht. Katzen haben gern den Überblick über ihr Revier. Wenn wir uns vorstellen, wie wenig man als kleine Katze vom Boden aus sieht, ist es nur allzu verständlich, dass sie wissen möchte, was in den anderen Ebenen der Wohnung „so los ist“. Unsere Samtpfoten haben in der Regel kein Problem, irgendwo raufzuspringen und sie unterscheiden nicht, ob sie auf eine Fensterbank, ihren Kratzbaum oder einen Tisch springen. Es geht ihr darum, ihr Revier im Blick zu haben und dafür ist es erforderlich, alle Ebenen zu nutzen.

Außerdem hat das Auf-den-Tisch-Springen für die Katze noch einen weiteren Vorteil: sie kommt mit uns auf Augenhöhe und kann so gut auf sich aufmerksam machen.

Vielleicht hast Du schon versucht, Deiner Katze abzugewöhnen, dass sie auf den Tisch springt, indem Du sie wieder und wieder runtergesetzt hast. Und? Warst Du erfolgreich? Meist haben unsere Samtpfoten den längeren Atem…

Es ist jedoch nachvollziehbar, dass es Stellen gibt, wo man seine Katze vielleicht nicht haben möchte, auch, um sie nicht zu gefährden oder weil wir ganz einfach mit unserem Besuch ungestört am Esstisch sitzen wollen.

Was können wir also tun? Es ist in jedem Fall hilfreich, unserer Katze eine hochwertige Alternative zum Tisch anzubieten. Das kann z. B. ein freies Plätzchen auf einem Schrank sein, auf das wir noch eine Kuscheldecke legen. Oder eine freigeräumte Fensterbank neben dem Tisch, von wo aus die Katze eine gute Sicht hat. Und natürlich eine ausgiebige Spiel- und/oder Kuscheleinheit, bevor der Besuch kommt, damit die Katze sich dann zufrieden auf „ihren“ Platz zurückziehen und das Geschehen von dort beobachten kann.

FAZIT: Unsere Katzen wollen uns nicht ärgern, wenn sie auf den Tisch springen, sondern am Geschehen teilnehmen. Sie wollen einen guten Überblick haben und suchen ggf. unsere Nähe.

Meine Katze ist aggressiv – sie faucht mich immer an!

Ein Missverständnis, das mir in den Beratungen immer wieder begegnet – und wir tun unseren Samtpfoten damit so sehr Unrecht! Fauchen ist in der Katzensprache ein defensiver Laut und heißt übersetzt soviel wie: „Sorry, aber Du bist mir viel zu nah, könntest Du bitte die Distanz zu mir vergrößern?“ Kein aggressiver Wunsch, oder? ABER: wenn wir diesem Wunsch nicht nachkommen, kann es passieren, dass die Katze deutlicher wird. Vor allem, wenn sie keine Möglichkeit hat zu fliehen, wird sie unter Umständen den Weg nach vorn wählen und dabei durchaus auch ihre Waffen einsetzen – schließlich sind wir ihrer Bitte nach Abstand nicht nachgekommen!

Außerdem würde ich in einem solchen Fall schauen, wie Du sonst Deiner Katze helfen kannst. Hat sie evtl. Ängste, denen man auf den Grund gehen sollte? Kannst Du Deiner Katze mit gezieltem Training zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen? Kannst Du neue oder andere Beschäftigungsangebote machen?

FAZIT: Sollte Deine Katze Dich öfter anfauchen, versuche einmal, ihr in solchen Situationen mehr Raum zu geben und entferne Dich ein Stück von ihr. Beobachte, wie sie reagiert und ob sie sich entspannen kann, wenn Du ihre Wohlfühldistanz respektierst.

Wenn Katzen schnurren, fühlen sie sich wohl

Liebst Du es auch, wenn Deine Samtpfote schnurrend und behaglich neben Dir liegt? Für mich sind das ganz wundervolle Momente! Allerdings schnurren manche Katzen auch, wenn sie krank sind bzw. Schmerzen haben, um sich oder auch ihr Gegenüber zu beruhigen.

Katzenmütter schnurren, um ihre blinden und tauben Babys zur Zitze zu führen, die das Vibrieren wahrnehmen.

Manche Katzen schnurren auch beim Tierarzt, um Stress abzubauen – sehr zur Freude des Arztes, der dann mit seinem Stethoskop Schwierigkeiten beim Abhören hat…

FAZIT: Ja, Katzen schnurren, wenn sie sich wohl fühlen, aber durchaus auch in anderen Situationen. Gerade, wenn Deine Katze sich zurückzieht und schnurren in einer Ecke liegt, würde ich sie medizinisch untersuchen lassen.

Sicherlich fallen Dir noch viel mehr Dinge ein, wo Du Dich fragst, warum Deine Katze das macht. Schreib‘ mir gern und ich greife das Thema in einem meiner nächsten Blogartikel auf.

Bis dahin wünsche ich Dir und Deiner Samtpfote eine gute Zeit.

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